Juli 25, 2017

Venedig 2014

 

Ist Venedig eine dieser abscheulichen Touristenfallen? Einer dieser Orte, an denen die Leute nur die Kulissen wahrnehmen und eigentliche nur DAS EINE im Sinn haben? Das perfekte Selfie? Und Fotos von Motiven, die schon Millionen von Menschen zuvor genau so festgehalten haben? 

Ja, das ist es tatsächlich. Zumindest an bestimmten Orten. Aber Venedig ist größer, vielseitiger und „echter“, als ich es vor meinem ersten Besuch zu wissen glaubte. Folgt man den kleinen Gassen jenseits der Hotspots, landet man oft schon nach wenigen Metern in einem der vielen kleinen „Kieze“, in denen noch echte Menschen wohnen, arbeiten und leben. Kleine Paradiese. Aber viele Einwohner leiden auch unter dieser Situation, dem eskalierenden Massentourismus. Luxushotels und Restaurants verdrängen Wohnungen. Immer mehr schwimmende Bettenburgen landen direkt in der Lagune. Die natürliche Hürde der Anreise ist nicht mehr da. Gehetzte Gruppen aus aller Welt pressen sich durch die Gassen und verteilen sich nur zäh wie Honig. 

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.
(Hans-Magnus Enzensberger)

Ich habe Venedig auch als Tourist besucht und meine Neugierde so gestillt. Genau wie alle anderen Reisefreunde. An einigen Orten habe ich mich unwohl gefühlt, weil auch ich ein Tropfen dieser „Honigmassen“ war. Aber an vielen Orten, an denen ich mich wie ein Besucher und nicht wie ein Eroberer fühlte, habe ich Venedig sehr genossen.

Aber was ich eigentlich sagen wollte: Venedig ist wie ein außergewöhnlicher und unwirklicher Traum. Ich werde wiederkommen. Am liebsten im Winter, an einem verregneten Tag.

 

Venedig 2015

 

Siehe auch: #nograndinavi auf Twitter